Der Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis

"Deutliche Lichtsignale am Ende unseres Abfalltunnels"

Abfallwirtschaft wird ab 2010 neu geordnet - Keine flächendeckende Biomüllsammlung

BRAUERSCHWEND (rwh). "Wir sehen sehr deutliche Lichtsignale am Ende unseres Abfalltunnels" Metaphernreich fasste Friedel Kopp (Freie Wähler), der Vorstandsvorsitzende des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Vogelsberg (ZAV) gestern im Brauerschwender Bürgerhaus die Ergebnisse der Ausschreibung zur Neuausrichtung der Vogelsberger Abfallwirtschaft zusammen. Im August beschlossen, im Herbst europaweit auf den Weg gebracht, im Februar abgeschlossen, liegen diese Ergebnisse jetzt vor und werden sich, nach den noch vom Vorstand zu treffenden Entscheidungen, in kleinerem Umfang mit Beginn des nächsten, in deutlich spürbarerem Maß mit Jahresbeginn 2011 bemerkbar machen. Erstes Ergebnis der Auswertung der dreizehn Angebote, die von 19 abgegebenen in die Bewertung kamen: der Müll im Vogelsberg wird auch künftig privat entsorgt und nicht "rekommunalisiert", durch den Zweckverband organisiert. Die Summe der günstigsten Angebote der auf sechs Einzellose verteilten Ausschreibung liegt, ohne dass Kopp wegen des noch laufenden Verfahrens konkrete Zahlen nannte, unter dem kostengünstigsten Gesamtangebot. Vor allem aber: sie liegt deutlich, nämlich knapp zehn Prozent, unter dem "Schwellenwert", bei dessen Überschreitung der ZAV die Entsorgung selbst unternommen hätte.
Wegen der auslaufenden und gekündigten Verträge für die Sammlung und Entsorgung rechnet der Vorstand mit spürbaren Kostensenkungen, die sich, je nach Einzellos, zwischen 35 und 57 Prozent bewegen. Insgesamt geht Kopp ab 1. Januar 2011 von einem "Mindesteffekt" von 40 bis 45 Prozent Einsparung durch das neue Abfallbeseitigungssystem aus.
Allerdings machte er auch deutlich, dass dies nicht automatisch geringere Müllgebühren im gleichen Umfang bedeuten wird. Natürlich werde sich die Kostenreduzierung "positiv auf die Gebühren auswirken" erklärte der Vorstandsvorsitzende, sie werde sich aber "nicht 1:1 auf die mögliche Gebührensenkungen übertragen lassen" dämpfte er allzugroße Erwartungen.
Fest steht mit dem Ergebnis der Ausschreibung auch, dass es ab 1. Januar 2010 keine flächendeckende Biomüllentsorgung im Vogelsbergkreis geben wird. "Die Biotonne wird nicht eingeführt" erklärte Kopp. Sie ist mit jährlichen Mindestkosten von 126 000 Euro zu teuer und würde das "Gesamtpaket" über den selbst verordneten Schwellenwert treiben.
Die von Friedel Kopp in seinem Sachstandsbericht aufgezeigten Zukunftsperspektiven spielten zuvor bereits bei der Verabschiedung des Wirtschaftsplans 2009 des Zweckverbandes eine große Rolle. Ulrich Künz machte für die Koalition aus CDU, FW und FDP deutlich, dass es "politisch gewollt" sei, das Defizit des Wirtschaftsplans in Höhe von 700 000 Euro mit Blick auf die Zukunft nicht durch eine kurzfristige Anhebung der Müllgebühren zu verringern, sondern zu tragen, auch wenn der Verband bei seinen Rücklagen "an die grenze des Belastbaren" angelangt sei. Künz zeigte sich überzeugt, dass "nach einer schwierigen Phase in den nächsten zwei Jahren" wieder ausgeglichenen Haushaltspläne vorgelegt werden könnten. Ab 2011 könnten dann auch "endlich die Gebühren gesenkt werden".
Hoffnung auf "künftig bessere Verhältnisse" hatte auch Helmut Weppler, der Sprecher der SPD, der der Koalition vorhielt, vor zwei Jahren bei der Gebührenerhöhung nicht den Mut zu notwendigen Schritten gehabt zu haben. Mit Blick auf die Nachsorgekosten für die Deponie Bastwald sprach sich Weppler für "eine behutsame Weitergabe der Kostensenkungen" aus und forderte dazu auf, "nicht in einen Wettstreit über die Beteiligung an den günstigen Ausschreibungsergebnissen" zu treten. Für die Grünen beklagte Dr. Udo Ornik die aus seiner Sicht mangelnde Auskunftsbereitschaft des Vorstandes. Michael Riese (Die Linke) forderte, die Diskussion über die Abfall nicht auf Haushalts- und Gebührenfragen zu reduzieren, sondern darauf, wie zukunftsweisend Müllbeseitigung möglich ist. Mit Mehrheit von Koalition und SPD wurde der Wirtschaftsplan beschlossen.